«Unsicherheit bleibt die neue Konstante»
Konjunktur
Der Oberste Gerichtshof der USA hat am 20. Februar 2026 Donald Trumps Handels- und Zollpolitik einkassiert und einen Grossteil der bisher verhängten Strafzölle für rechtswidrig erklärt. Dadurch sinkt die durchschnittliche Zollbelastung spürbar. Für Unternehmen und Konsumenten bedeutet dies kurzfristig eine gewisse Entlastung, auch wenn nicht alle Sonderzölle – etwa auf strategische Industrien – betroffen sind. Gleichzeitig kündigte die US-Regierung einen neuen, vorerst befristeten Basiszoll von 10 % auf nahezu alle Importe an, mit der Option einer Erhöhung auf 15 %. Diese Massnahme stützt sich auf bestehende handelsrechtliche Bestimmungen und dürfte juristisch umstritten bleiben. Für die Konjunktur bedeutet dies ein Spannungsfeld: Einerseits reduziert die Aufhebung früherer Massnahmen die Belastung für private Haushalte – Schätzungen zufolge lagen die Mehrkosten zuletzt bei rund USD 1’000 pro Haushalt und könnten nun deutlich sinken. Andererseits bleibt die Planungsunsicherheit hoch, was Investitionen hemmt und Lieferketten weiter fragmentieren könnte. Hinzu kommt die fiskalische Dimension. Zölle stellen eine wichtige Einnahmequelle dar. Fallen diese teilweise weg, erhöht sich der Druck auf den Staatshaushalt, alternative Finanzierungsquellen zu erschliessen. In einem Umfeld, das bereits durch hohe Defizite geprägt ist, verstärkt dies die Diskussion um zusätzliche Verschuldung. Insgesamt ist kurzfristig mit stabilisierenden Effekten für den Konsum zu rechnen, während mittel- bis langfristig die Unsicherheit über die zukünftige Handelspolitik das Wachstum dämpfen könnte. Ein klarer Trend hin zu mehr Freihandel ist nicht erkennbar; vielmehr dürfte die Bildung regionaler Handelsblöcke weiter voranschreiten.

Aktien
Die internationalen Aktienmärkte reagierten zunächst verhalten auf die juristische Kehrtwende. In den USA gaben die grossen Indizes nach Bekanntgabe neuer Zollpläne leicht nach, während asiatische Börsen mehrheitlich zulegen konnten. In Europa zeigte sich ein gemischtes Bild, wobei sich der Schweizer Markt vergleichsweise robust präsentierte. Auffällig ist die fortschreitende sektorale Rotation. Während in den vergangenen Jahren insbesondere grosse Technologiewerte dominierten, richtet sich der Fokus zunehmend auf eine breitere Marktaufstellung. Neben zyklischen Branchen gewinnen auch defensive Sektoren wie Versorger an Attraktivität. Selbst lange vernachlässigte Bereiche wie
Grundstoffe und Energie verzeichnen wieder Kapitalzuflüsse.
Regional zeigt sich bereits seit Längerem eine Umschichtung weg von stark gewichteten US-Anlagen hin zu Europa und ausgewählten Schwellenländern. Die neuerliche Zollunsicherheit könnte allerdings die zuletzt begonnene Bewegung von grosskapitalisierten Titeln hin zu Mid- und Small-Caps vorübergehend abbremsen. Insgesamt spricht die zunehmende Diversifikation jedoch für eine gesündere Marktstruktur. Entscheidend bleibt, ob sich die politische Unsicherheit in konkreten Gewinnrevisionen niederschlägt oder ob Unternehmen die Belastungen durch Preisanpassungen und Lieferkettenoptimierungen kompensieren können.

Obligationen
Am US-Anleihemarkt blieb die unmittelbare Reaktion moderat. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen bewegten sich nur leicht und verharren im Bereich von gut 4 %. Mittel- bis längerfristig dürfte jedoch die Haushaltsentwicklung stärker in den Fokus rücken. Sollten durch die Aufhebung früherer Zölle substanzielle Einnahmen entfallen und gleichzeitig neue Massnahmen weniger einbringen als geplant, könnte das Finanzministerium gezwungen sein, zusätzliche Anleihen zu emittieren. Ein steigendes Angebot an Staatsanleihen würde tendenziell höheren Renditedruck bedeuten. Für Anleger ergibt sich damit ein Spannungsfeld zwischen konjunktureller Abkühlung – was grundsätzlich für sinkende Zinsen sprechen würde und steigender Staatsverschuldung, die höhere Risikoprämien erforderlich machen könnte. Unternehmensanleihen zeigen sich bislang stabil, profitieren jedoch von der Erwartung, dass die Entlastung bei Importkosten Margen stützen könnte. Insgesamt bleibt der Obligationenmarkt sensibel gegenüber fiskalpolitischen Entwicklungen und möglichen Ratingdiskussionen.
Währungen
Am Devisenmarkt verlor der US-Dollar nach den jüngsten Entscheiden zunächst an Boden, konnte sich jedoch teilweise wieder stabilisieren. Strukturell sprechen mehrere Faktoren für eine anhaltende Tendenz zur Schwäche: Zum einen weiten sich Haushalts- und Handelsdefizit gleichzeitig aus, zum anderen nimmt die politische Unsicherheit zu. Beides wirkt erfahrungsgemäss belastend auf eine Währung. Der Schweizer Franken profitiert in diesem Umfeld von seiner Rolle als sicherer Hafen. Die erhöhte Nachfrage spiegelt das Bedürfnis nach Stabilität in einem von politischen Richtungswechseln geprägten Umfeld wider. Gegenüber dem Euro zeigt sich der Franken ebenfalls fest, wobei die Entwicklung stark von der relativen Dollarbewegung abhängt. Für exportorientierte Volkswirtschaften bleibt die Wechselkursentwicklung ein zentraler Faktor, insbesondere so lange handelspolitische Verhandlungen – etwa über bilaterale Abkommen – andauern.
Alternative Anlagen
Edelmetalle reagierten positiv auf die gestiegene wirtschafts- und handelspolitische Unsicherheit. Gold und Silber legten zeitweise deutlich zu, unterstützt durch einen schwächeren US-Dollar sowie anhaltende geopolitische Spannungen. In einem Umfeld hoher Staatsverschuldung, struktureller Haushaltsdefizite und zunehmender politischer Polarisierung erfüllen sie weiterhin ihre Funktion als Diversifikationsinstrumente und Wertspeicher. Besonders ausgeprägt zeigen sich die Bewegungen jeweils beim Silber. Der Silbermarkt ist im Vergleich zum Goldmarkt deutlich kleiner und weist ein wesentlich geringeres tägliches Handelsvolumen auf. Entsprechend kann bereits ein relativ geringer Kapitaleinsatz stärkere Preisausschläge verursachen. Historisch war zu beobachten, dass Silber in Haussephasen überproportional steigt, während es in Korrekturphasen stärker unter Druck gerät als Gold. Dieses Muster zeigte sich sowohl in den späten 1970er-Jahren als auch während der Rohstoffhausse um 2011 und ist auch aktuell wieder erkennbar. Der jüngste Rücksetzer innerhalb der Silbereuphorie belastete zwischenzeitlich ebenfalls den Goldpreis, jedoch war auch das Tempo beim Goldpreis zuletzt sehr hoch.

Die fundamentalen Argumente zugunsten von Gold bleiben jedoch weitgehend intakt. Die Kombination aus steigenden globalen Staatsschulden, anhaltend hohen Budgetdefiziten, Diskussionen über die institutionelle Unabhängigkeit der US-Notenbank sowie zunehmenden geopolitischen Risiken stärkt die strategische Rolle des Edelmetalls. Vor diesem Hintergrund erscheint Gold nicht nur für private Investoren, sondern auch für ausländische Zentralbanken als eine Alternative zu US-Staatsanleihen. Alternative Anlagen bleiben damit ein bedeutender
Diversifikationsbaustein, sind jedoch – insbesondere im spekulativeren Silbersegment mit erhöhten Schwankungsrisiken verbunden.
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