«Energiekrisen im Rückblick: Wie viel Orientierung bietet die Geschichte?»
Alternative Anlagen
Der starke Anstieg der Energiepreise prägt derzeit das Geschehen an den Finanzmärkten. Wie sich der Konflikt im Iran und eine mögliche Sperrung der Strasse von Hormus weiterentwickeln, lässt sich aus heutiger Sicht nicht verlässlich abschätzen. Anstatt zu spekulieren, lohnt sich ein Blick zurück: In der Vergangenheit kam es wiederholt zu Ölkrisen im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen. Anhand des untenstehenden Charts, der den Erdölpreis seit den 1970er-Jahren sowie zentrale Energiekrisen zeigt, analysieren wir, wie die Märkte damals reagierten und ob allenfalls Muster zu erkennen sind, welche Anlegerinnen und Anlegern weiterhelfen.

Zu Beginn der 1970er-Jahre existierte noch kein standardisierter Future-Handel auf Erdöl. Es wurden keine laufenden Börsenkurse gestellt, weshalb die im Chart dargestellten Preise über längere Zeiträume unverändert blieben. Mit der ersten Energiekrise, ausgelöst durch den Jom-Kippur-Krieg im Herbst 1973 und dem anschliessenden Ölembargo, stieg der Preis pro Barrel jedoch sprunghaft an. Eine ähnliche Dynamik zeigte sich mit Beginn der islamischen Revolution im Iran 1978, die das Mullah-Regime an die Macht brachte. Kurz darauf folgte der Erste Golfkrieg zwischen Irak und Iran, der die Unsicherheit an den Energiemärkten über Jahre erhöhte und wiederholt zu Preissprüngen beim Erdöl führte. Im August 1990 leitete die irakische Invasion Kuwaits den Zweiten Golfkrieg ein. Eine durch eine UN-Resolution legitimierte Koalition unter Führung der USA startete Anfang 1991 einen Gegenschlag, der schliesslich in der Niederlage des Iraks mündete. Der Ölpreis legte zu Beginn des Konflikts erneut deutlich zu, korrigierte jedoch nach der Niederlage des Iraks ebenso rasch wieder nach unten. Die jüngste grosse Energiekrise wurde durch den Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 ausgelöst. Zwar stieg auch in diesem Fall der Erdölpreis, allerdings deutlich weniger stark als in den zuvor beschriebenen Episoden. Deutlich ausgeprägter war der Anstieg der Gaspreise. Europa bezog sein Gas anstatt von Russland zunehmend aus den USA und der Golfregion, während Russland seine Exporte verstärkt nach Osten (u.a. China und Indien) umleitete. Gegen Ende 2022 beruhigten sich die Preise wieder. Die jüngste militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran hat nun erneut zu einem Anstieg des Erdölpreises geführt. Die Erfahrungen früherer Energiekrisen sprechen dafür, dass sich die Ölpreise bei einer Beruhigung oder Beendigung des aktuellen Konflikts im Zeitverlauf wieder normalisieren dürften – Zeitpunkt und Ausmass bleiben jedoch unsicher.

Konjunktur
Ein Chart, der in den vergangenen Monaten immer wieder in den Finanzmedien zu sehen war, vergleicht die Inflationsentwicklung der 1970er-Jahre – geprägt von zwei Energiekrisen – mit jener der 2020er-Jahre, in denen nun ebenfalls zwei kriegerische Auseinandersetzungen stattfinden und Einflüsse auf Energiepreise und Inflation haben.

Mit dem obigen Vergleich wollen wir keine Panik schüren, sondern aufzeigen, dass Versorgungsengpässe bei fossilen Energieträgern nach wie vor erhebliche Auswirkungen auf die Inflation haben können. Der Inflationsschub 2021/22 war jedoch nicht ausschliesslich auf höhere Energiepreise zurückzuführen, sondern auch eine Folge gestörter Lieferketten nach Corona und starker Nachholeffekte in der Nachfrage, die durch eine lange Zeit wenig restriktive Geldpolitik begünstigt wurden. Wir möchten ebenso wenig suggerieren, dass es nach der jüngsten Beruhigung der Inflation – analog zu den 1970er-Jahren – zwangsläufig zu einer erneuten Preisexplosion kommen wird. Aus heutiger Sicht erachten wir das Risiko einer erneuten, energiegetriebenen Inflationswelle dennoch als erhöht. Entscheidend wird sein, ob es zu einer dauerhaften Störung der Energieversorgung kommt.
Obligationen
Die Entwicklung der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen ist heute in einem deutlich anderen Umfeld zu betrachten als in früheren Energiekrisen: Die staatliche Verschuldung liegt auf einem wesentlich höheren Niveau, entsprechend wiegt die Zinslast für viele Volkswirtschaften deutlich schwerer.

Die Verteuerung der Energiepreise führte in vergangenen Krisen regelmässig zu höherer Inflation – und in der Folge zu steigenden Renditen. Dies belastete selbst erstklassige Anleihen. Besonders ausgeprägt war dies im Jahr 2022, als die Renditen von einem historisch tiefen Niveau aus stark anzogen und der laufende Zinsertrag die Kursverluste bei weitem nicht kompensieren konnte. Auch in jüngster Zeit sind die Renditen wieder angestiegen, allerdings – im Vergleich zu 2022 – in einem bislang verkraftbaren Ausmass. Wie stark dieser Effekt künftig ausfallen wird, hängt wesentlich von der Dauer und Intensität eines möglichen Energiepreisschubs ab. In Phasen erhöhter Inflation wurden zu deren Bekämpfung die Leitzinsen zudem oftmals deutlich angehoben. Häufig stiegen die kurzfristigen Zinssätze über das Niveau der langfristigen Renditen und führten zu einer inversen Zinskurve – typischerweise ein Signal für eine sich abzeichnende Rezession.
Aktien
Höhere Energiepreise, steigende Inflation, anziehende Renditen und Zinsen sowie die Sorge vor einer Rezession führen an den Aktienmärkten häufig zu Korrekturen. Die historische Entwicklung des S&P 500 seit den 1970er-Jahren zeigt jedoch, dass Ausmass und Dauer dieser Rückschläge sehr unterschiedlich ausfielen. Entscheidend ist unter anderem, wie lange die Energieversorgung tatsächlich beeinträchtigt ist und in welchem Umfang alternative Lieferanten einspringen können.

Die zahlreichen Unwägbarkeiten, die Kriege in Regionen mit hohem fossilem Energieaufkommen mit sich bringen, erschweren verlässliche Prognosen über den künftigen Verlauf der Aktienmärkte. In diesem Umfeld orientieren wir uns konsequent an der Neue Bank Ampel. Sie hat im letzten Monat angezeigt, dass die Unsicherheiten an den Aktienmärkten zugenommen haben, und auf Gelb (Neutral) geschaltet. Entsprechend haben wir die Risiken in den Portfolios gezielt etwas reduziert.
Währungen
In Krisenzeiten suchen Anlegerinnen und Anleger traditionell sichere Häfen. Allen Unkenrufen zum Trotz war der US-Dollar seit dem Angriff auf den Iran erneut gefragt und hat gegenüber Euro und Schweizer Franken zugelegt. Dies geschah, obwohl die USA eine hohe Verschuldung aufweisen und die steigenden Renditen die Schuldentragfähigkeit zunehmend belasten. In einem längeren Vergleich relativiert sich die jüngste Dollarstärke jedoch: Über die vergangenen drei Jahre hat der Greenback deutlich an Wert verloren. Unsere Messungen zeigen bislang noch keine Trendwende. Entsprechend haben wir Teile der USD-Quote weiterhin aktiv abgesichert.
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